Berninger: "Klagewelle muss eingedämmt werden!"
Gießen/Berlin, 02.10.2000
Zu einem Meinungsaustausch trafen sich drei VertreterInnen des Bündnisses
für Politik- und Meinungsfreiheit mit dem bildungspolitischen Sprecher
der Grünen Bundestagsfraktion Matthias Berninger. Thema der Diskussion
war die anstehende Novellierung des Hochschulrahmengesetzes (HRG) in den Paragraphen
3 und 41, die die Befugnisse der Verfaßten Studierendenschaft betreffen.
Die zahlreichen Klageverfahren gegen Studierendenvertretungen und Fachschaften
in den zurückliegenden Jahren ist Anlaß der Gesetzesnovellierung.
"Die zahlreichen Klageverfahren gegen Studierendenvertretungen in den letzten
Jahren machen eine Gesetzesänderung im HRG notwendig. Wenn ASten sich schon
nicht mehr gegen Rechtsextremismus aussprechen dürfen, ohne befürchten
zu müssen, von rechtskonservativen bis rechtsradikalen Studenten vor die
Verwaltungsgerichte gezerrt zu werden, dann stimmt etwas nicht", so Carmen
Ludwig, Geschäftsführerin des Bündnisses.
Zuletzt war der AStA der Uni Marburg zu einem Ordnungsgeld von 4.000 DM verurteilt
worden, weil er zu einer antifaschistischen Demonstration aufgerufen hatte,
die sich gegen eine Kundgebung der NPD richtete. Dem ReferentInnenrat der Berliner
Humboldt- Universität waren Stellungnahmen zur politischen Situation in
Österreich untersagt worden. "Wir streben eine Gesetzesänderung
an, die es Studierendenschaften ermöglicht, zu allen gesellschaftspolitisch
relevanten Fragen Stellung zu beziehen. Die Hochschulen sind ein Teil der Gesellschaft
und müssen sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewußt werden.
Es ist nicht einzusehen, dass an Hochschulen beispielsweise zu Themen wie Gentechnologie,
Atomenergie oder den gesellschaftspolitischen Ursachen von Rechtsextremismus
geforscht wird und der AStA sich dazu nicht äußern soll. Die ASten
können bei der derzeitigen Rechtsprechung erst dann tätig werden,
wenn ein ausländischer Student Opfer rassistischer Übergriffe wurde.
Und dann ist es zu spät", so Carsten Peters vom Bundesausschuss der
Studierenden der GEW (GEW- BASS). Matthias Berninger, bildungspolitischer Sprecher
der Grünen Bundestagsfraktion hat Verständnis für die Probleme
der Studierendenvertretungen. "Da muss etwas geschehen. Wie soll zum Beispiel
die Viadrina, die internationale Hochschule in Frankfurt/Oder Ort internationaler
Begegnung sein, wenn ausländische Studierende dort bedroht und überfallen
werden und der AStA nichts unternehmen kann. Die Unsicherheit der ASten im Umgang
mit politischen Äußerungen muss durch eine weitgehende gesetzliche
Regelung im HRG ausgeräumt werden." Berninger kündigte die Formulierung
eines gemeinsamen Gesetzesentwurfes der beiden Regierungsfraktionen im Bundestag
an. "Mit dieser Gesetzesinitiative wollen wir Rechtssicherheit für
die betroffenen Studierendenschaften erreichen und die Klagewellen eindämmen,"
erklärte Berninger.
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